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Diese drei Punkte haben Cloud-Dienstleister aus Deutschland ihren US-amerikanischen Mitbewerbern voraus

2.01.2019|Cloud|

Das Vertrauen europäischer Unternehmen in US-amerikanische Cloud-Anbieter hat in den vergangenen Jahren sehr gelitten. Schuld ist hauptsächlich der NSA-Skandal. Aber auch Schlagzeilen wie Microsofts Rechtsstreit mit der US-Regierung bezüglich des Zugriffs auf Daten, die in Europa gespeichert sind, haben das Vertrauen in amerikanische Anbieter beschädigt.

Einige Cloud-Dienstleister haben bereits reagiert. Im Januar 2018 verkündete beispielsweise IBM Europa, sein Cloud-Zentrum in Frankfurt am Main vor behördlichen Eingriffen aus den USA zu schützen. Die strikte Abtrennung war eine direkte Reaktion auf Bedenken europäischer Kunden, die sich um die Sicherheit ihrer Daten sorgten.

Die Bedenken europäischer Unternehmen betreffen dabei weniger die Cloud-Anbieter selbst. Unternehmen befürchten nicht unbedingt, dass Dienstleister auf ihre Daten zugreifen. Sie fürchten eher, dass US-Behörden die US-amerikanischen Anbieter im Rahmen des Patriots Acts zur Herausgabe dieser Daten zwingen könnten. Daher stehen gerade in Deutschland viele Unternehmen den Branchengrößen aus Übersee skeptisch gegenüber.

Auf Cloud-Dienste zu verzichten, können sich die meisten Unternehmen im digitalen Zeitalter aber kaum noch leisten. Die Frage ist daher: Welche Alternativen gibt es für deutsche Unternehmen, wenn US-amerikanische Anbieter nicht in Betracht kommen?

Für Cloud-Dienstleister aus Deutschland sprechen drei Vorteile

#1: Klare rechtliche Strukturen

Bedenken in Sachen Cloud und Datensicherheit sind in erster Linie das Resultat rechtlicher Unsicherheit. Gerade größere Cloud-Anbieter sind global verteilt und unterliegen damit mehreren Rechtsprechungen. Es ist zum Beispiel nicht unüblich, dass ein Dienstleister aus den USA die Daten deutscher Kunden auf einem Server in Island speichert. Hinzu kommen oft noch verschiedene lokale Niederlassungen, wie etwa eine Europazentrale in Irland. Für Kunden ist es daher schwierig festzustellen, welcher juristischen Zuständigkeit ihre Daten im Zweifelsfall unterliegen.

Wenn sich Kunde, Anbieter und Server innerhalb eines einzigen Landes (oder zumindest innerhalb der Europäischen Union) befinden, ist die Rechtslage deutlich einfacher zu durchschauen. In diesem Fall gelten datenschutzrechtliche Vorgaben des jeweiligen Landes bzw. die Datenschutzgrundverordnung der EU. Deutsche Kunden eines deutschen Cloud-Dienstleisters unterliegen somit ausschließlich dem BDSG sowie der DSGVO. Juristische Vorgaben von Drittländern finden keine Anwendung.

Ein weiterer Vorteil des Standorts Deutschland: Die deutschen Datenschutzgesetze zählen zu den strengsten der Welt. Das liegt daran, dass Datenschutz hierzulande per se einen sehr hohen Stellenwert genießt. Dies äußert sich in strengen Compliance-Vorgaben innerhalb vieler Unternehmen, aber auch im Umgang von Cloud-Dienstleistern mit ihren Kunden. Da die Anbieter wissen, dass ihre Kunden großen Wert auf die Sicherheit unternehmensinterner Daten legen, fokussieren sie sich selbst sehr stark darauf, diesen Anforderungen gerecht zu werden.

#2: Persönlicher Service und Beratung

Die Angebote internationaler Branchenriesen sind unter anderem deshalb so attraktiv, weil sie unkompliziert sind. Der Kunde meldet sich über ein Online-Portal an und hat nach wenigen Klicks Zugriff auf die angebotenen IT-Dienste. Kommt es zu technischen Problemen, tritt bei vielen Unternehmen allerdings ein Stück weit Ernüchterung ein. Denn Support und Service der Branchengrößen sind der Regel unpersönlicher als bei lokalen Anbietern.

Kommt für eine Cloud-Applikation beispielsweise ein Update heraus, das Veränderungen an der IT-Infrastruktur eines Kunden erfordert, wird dies oft nicht hinreichend kommuniziert. Bei Störfällen gelingt es manchen Kunden kaum, den Überblick zu behalten. Zumal ihnen kein persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung steht, sondern lediglich ein Service-Kontakt, der mit den speziellen Anforderungen einzelner Kunden nicht vertraut ist.

Hierin besteht ein weiterer Vorteil deutscher Cloud-Dienstleister: Im Gegensatz zu den Branchengrößen betreuen sie deutlich weniger Kunden. Daher hat ihr Service eine deutlich persönlichere Note. Meistens steht jedem Kunden ein Service-Team zur Verfügung, das seine Projekte und Mitarbeiter kennt und jederzeit für Fragen zur Verfügung steht. So entwickelt sich ein sehr persönliches Verhältnis zwischen Dienstleister und Kunde.

#3: Geringere Latenzzeiten

Es liegt in der Natur der Sache, dass große Distanzen zwischen Anwender und Server eine höhere Latenz beim Datentransfer zur Folge haben. Zudem sind viele Datenprotokolle nicht für den Transfer über weite Strecken geeignet. Das Resultat: Greifen Anwender auf weit entfernte Server zu, sinkt die Geschwindigkeit der Applikation.

Die Distanz zwischen dem Unternehmen, das eine Applikation nutzt, und dem Server, auf dem diese zur Verfügung gestellt wird, sollte daher so gering wie möglich sein. Das spricht wiederum für lokale Cloud-Anbieter. Voraussetzung ist natürlich, dass zwischen dem Unternehmensstandort und dem Rechenzentrum des Dienstleisters geeignete Leitungen installiert sind.

Deutsche vs. Internationale Cloud-Dienstleister

 

Die drei o. g. Punkte sprechen aus unserer Sicht bei unternehmenskritischen Anwendungen für die Zusammenarbeit mit einem Cloud-Dienstleister aus Deutschland. Ob die hier beschriebenen Vorteile ausreichen, um sich für eine solche Zusammenarbeit zu entscheiden, hängt letztlich davon ab, worauf Sie Ihren Fokus legen.

Die internationalen Brancheriesen punkten mit niedrigen Preisen und hoher Skalierbarkeit. Kunden lokaler Anbieter profitieren wiederum von hoher Datensicherheit, persönlichem Service und geringen Latenzzeiten. Wenn diese Faktoren für Sie relevant sind, sollten Anbieter aus Deutschland in jedem Fall eine Überlegung wert sein.

Posted by
Uwe Schneider
UBL-Geschäftsführer