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Managed Services auch für ERP-Systeme

Mit „Managed Services“ für IT-Anwendungen wie ERP hat UBL den nächsten Schritt in Richtung flexibler Angebote unternommen, unter anderem für den Betrieb von IT-Umgebungen auf Basis von IBM Power. Im Interview mit DV-Dialog beschreiben die UBL-Geschäftsführer Uwe Schneider und Nils Wulf ihre Managed-Service-Strategie für geschäftskritische Anwendungen.

Die Zeit ist reif, nicht nur über die Nutzung der Cloud nachzudenken, sondern es auch zu praktizieren. Sei es in Form einer abgeschotteten eigenen „Private Cloud“, sei es in Form von hybriden oder öffentlichen Cloud-Services. Für IT-Dienstleister sieht UBL-Geschäftsführer Nils Wulf den Trend, als „Servicemanager für den Kunden das Zusammenspiel und die Komplexität aller Komponenten zu managen und alle Services miteinander zu integrieren“. UBL habe sich bereits in diese Richtung transformiert und betreibe in Frankfurt, direkt am Deutschen Internetknoten, ein RZ in „Bestlage“. Mit Wulf und dem zweiten UBL-Geschäftsführer Uwe Schneider sprachen wir daher über „Managed Services“ für ERP-Systeme und IT-Infrastrukturen.

Heute ist häufig die Rede von „Managed Services“ in der IT – auch beim ERP-Betrieb. Was sind die Hauptunterschiede zu klassischen Outsourcing-Lösungen und zu SaaS-Angeboten?
Uwe Schneider: Bei Managed Services definieren Kunde und Dienstleister gemeinsam die zu erbringenden Serviceleistungen. Dadurch entstehen individualisierte Lösungen für den jeweiligen Bedarf. Das klassische Outsourcing beinhaltet meist starre Angebote auf einer festgelegten IT-Infrastruktur, bei dem der Geschäftsprozess an den Dienstleister ausgelagert wird. Echte SaaS-Angebote sind standardisierte Angebote mit einem oftmals fest definierten Umfang, die für den Nutzer sofort und vor allem ohne Anpassung nutzbar sind.
Der Hauptunterschied liegt also im Grad der Individualisierbarkeit. Die Managed Services der UBL zeichnen sich durch ihre Flexibilität und Individualität aus, mit der auf die besonderen Kundenanforderungen eingegangen werden kann. Darüber hinaus behält der Kunde die „Regie“, während der Geschäftsprozess beim Outsourcing an den Dienstleister übergeht.

Welche Services bietet UBL für den ERP-Betrieb an?
Schneider: Die meisten Gespräche mit unseren Kunden drehen sich um die Bereiche Infrastruktur-Services und ERP-Basisbetrieb, wobei ein erhöhter Bedarf derzeit noch auf Ersterem liegt. Denn die zunehmende Komplexität von IT-Infrastrukturen bedeutet, dass Unternehmen viele Skills aufbauen und vorhalten müssen – auch für Tätigkeiten, die sich gemessen an der Häufigkeit, in der sie vorkommen, nicht lohnen. Darüber hinaus stehen viele vor einem Generationswechsel ihrer Belegschaft, sind mit abwanderndem Know-how konfrontiert und müssen überdies einen 7×24-Betrieb sicherstellen.
Es besteht also ein deutlich höherer und dringlicher Handlungsbedarf, weshalb Infrastruktur der Bereich ist, für den Managed Services heute am häufigsten angefragt werden – auch weil es in der Zwischenzeit am Unbedenklichsten ist.

In den letzten Monaten stellen wir aber eine wachsende Bereitschaft unserer Kunden fest, auch ihren ERP-Basisbetrieb auszulagern. Dies lässt sich durch die einfache Abgrenzung der Verantwortungsbereiche auch relativ schnell und sinnvoll umsetzen. Zwar gibt es anfangs oft noch Bedenken auf Kundenseite, dass ein Auslagern in seine Kernkompetenz eingreifen würde. Diese Bedenken lösen sich in der Diskussion mit dem Kunden aber fast immer auf, da seine eigentliche Kernkompetenz in den geschäftskritischen Anwendungsbereichen liegt, und nicht im Basis-ERP-Betrieb.

Unsere Managed Services im ERP-Umfeld bieten zusätzlich zum Monitoring der Infrastrukturlandschaft auch die Überwachung anwen­dungsspezifischer Schwellenwerte an inklusi­ve der Reaktion bei Überschreitung. Darüber hin­aus übernehmen wir auch Routinetätigkeiten wie Patch-Management oder User Handling und weitere Aufgaben in Zusammenarbeit mit den ERP-Anbietern. Da die meisten ERP-Systeme nicht alleine betrieben werden, kann UBL auch bei der Schnittstellenbedienung zu kundenbetriebenen wie auch externen Systemen punkten.

Was sind Ihren Erfahrungen nach die Auslöser, die zu einer Nachfrage nach Managed Services im ERP-Umfeld führen?
Nils Wulf: Eine gute Gelegenheit für Unter­nehmen, ihre IT-Strategie auf den Prüfstand zu stellen, ergibt sich bei geplanten Änderungen in der ERP-Landschaft, z.B. bei Upgrades der Standard-ERP oder bei der Ablösung einer Individualsoftware durch eine Standardanwendung.

In letzter Zeit werden wir zuneh­mend von Unternehmen angefragt, deren ­Hosting-Vertrag ausläuft und die einen An­bie­ter­wechsel in Betracht ziehen. Insbesondere die Daten­haltung und der Datenzugriff spielen dabei für viele eine Rolle, aber auch, dass sie bei größeren Anbie­tern nicht den gewünschten Stellenwert haben, während wir die Kunden „auf Augenhöhe“ bedienen.

Gibt es diese Managed-Services nur für ERP-Standardsoftware – oder sind sie auch beim Einsatz von Individualsoftware eine Alternative?
Wulf: Genau diese Kombination ist unsere Stärke. Wir können dem Kunden helfen, die Brücke zu schlagen zwischen Individualsoftware und dem Betrieb einer Standardsoftware. Gemeinsam können die Bereiche abgegrenzt werden, in denen UBL tätig wird – von denen, die der Kunde weiterhin selbst betreibt.

Dabei sind alle Konstellationen denkbar, von einem Betrieb Onsite beim Kunden über ein Hybrid-Modell, in dem ein Teil der Anwen­dung beim Kunden vor Ort verbleibt und ein Teil in unserem RZ betreut wird, bis hin zu einer vollständigen Auslagerung der Anwen­dung. Und zwar egal, ob Individual- oder ERP-Standardsoftware. Egal welches Szenario, die ERP-Kernkompetenz – also die Applikationsverantwortung – verbleibt bei dem Kunden.

Beim Blick auf die von UBL unterstützten ERP-Pakete fällt auf, dass mit Herstellern wie GUS, Infor, Oxaion oder SAP etliche Player aus der AS/400-Welt darunter sind. Welche technischen ERP-Plattformen unterstützt UBL – und welche Rolle spielt das IBM Power System i im UBL-Angebot?
Schneider: Es ist historisch betrachtet eine unserer Kernkompetenzen. Viele Mitarbei­ter betreuen das System seit der ersten Stunde und verfügen über immenses Know-how, auch im Schnittstellen­bereich zu anderen Systemen. Unsere Verbin­dung zu AS/400-nahen ERP-Herstellern ist also kein Zufall sondern das Ergebnis vieler gemeinsamer Projekte und vor allem der Tatsache, dass UBL einer der ersten Managed-Service-Provider im IBM-i-Umfeld war.

Aber wir sind nicht auf IBM i festgelegt. So ist zum Beispiel Power Linux gerade für viele neue ERP-Implementierungen eine attraktive Alternative, die wir ebenso kompetent unterstützen. Und natürlich spielen auch virtualisierte Intel-Umgebungen eine große Rolle, die wir in zunehmendem Maße in unserem Managed Service wiederfinden. Kurz gesagt: So wie alle ERP-Anbieter ist auch UBL mittlerweile plattformunabhängig.

Oft gilt die IBM i Plattform als altbacken und technisch überholt. Wie bewerten Sie als Kenner den „State of the art“ von Power8 und IBM i 7.2 im Vergleich zu den populären Windows- und Linux-Servern?
Schneider: IBM i ist immer noch die am meisten unterschätzte IT-Architektur. Viele Features, die in anderen Architekturen gefeiert werden, gibt es hier schon seit über 20 Jahren, zum Beispiel der hohe Integrationsgrad bei Datenbank oder Security. Das große Problem der Plattform ist, wie Sie schon sagen, das Image. Aber natürlich muss IBM schauen, wie sie die Plattform attraktiv hält – hier sehen wir durchaus Raum für Verbesserungen.

Wie gehen Sie bei der Umstellung vom Eigenbetrieb des ERP-Systems beim Kunden auf Ihre Managed Services vor? Handelt es sich immer um eine vollständige Verlagerung des ERP-Systems – oder sind auch Mischformen des Betriebs Inhouse beim Kunden und bei UBL möglich?
Wulf: Wir erarbeiten mit dem Kunden ein individuelles Konzept, in dem sehr genau dargestellt wird, wie die Migration durchgeführt wird, welche Verantwortungsbereiche bei welchem Betreiber verbleiben und wie die Kommunikationsstrukturen sind. Wichtig für erfolgreiche Migrationen ist eine gute Zeitplanung mit regelmäßigen Checkpoints, die durch ein professionelles Projektmanagement unterstützt wird. Wir legen großen Wert auf das „Agieren auf Augenhöhe“, das heißt auf die persön­liche Betreuung unserer Kunden und eine enge gemeinsame Abstimmung. Unsere Erfahrungen zeigen, dass damit eine gemeinsame Zielerrei­chung „in time“ und „in budget“ möglich ist.

Schneider: Wir haben kürzlich ein großes Projekt mit einem internationalen Automobil­zulieferer umgesetzt. Der Kunde hatte zunächst nur vor, Teile seiner Warenwirtschaft aus dem bisherigen RZ-Betrieb herauszulösen und zu UBL zu geben. Nach ersten Gesprächen beschloss der Kunde den Projectscope zu erweitern und seinen kompletten Hostingbetrieb, auch für SAP und Hana, zu verlagern. Obwohl für die Migration aus dem vorherigen Rechen­zentrum in München produktionsbedingt nur sehr kurze Zeitfenster zur Verfügung standen, gab es durch die gemeinsame Projektplanung und die permanente Abstimmung keine Verzögerungen.

Für eine deutsche Airline haben wir die ERP-Infrastruktur und den ERP-Basisbetrieb mehrere Jahre lang onsite betreut, bevor wir die Umgebung komplett in unser RZ migrierten. Aus­schlaggebend war zwar ein Stand­ortwechsel des Kunden – aber auch das Vertrauen, das er zuvor über Jahre auf­grund der Erfahrung mit unseren Services aufgebaut hatte.

Für einen anderen Kunden, wiederum einen Automobilzulieferer, betreuen wir den kompletten Power-i-Infrastruktur- und SAP-Basis-Betrieb onsite. Seit einiger Zeit beschäftigt sich dieser Kunde mit dem Thema SAP BW on Hana. Als die Idee einer Pilotierung beim Kunden diskutiert wurde, war es klar, dass wir beim Konzept unterstützen. Dank unserer engen Zusammenarbeit mit IBM war es möglich, mit dem Kunden Hana on Power auch vor genereller Verfügbarkeit tiefgehend zu diskutieren, so dass sich der Kunde sehr schnell mit dieser Implementierung anfreunden konnte.

Die Möglichkeit, den „Prof of Concept“ im UBL-Rechenzentrum durchzuführen wurde zugunsten einer Aufrüstung der beim Kunden stehenden Maschine verworfen. UBL wird auch hier Aufbau, Datenmigration vom herkömm-lichen SAP BW zu Hana sowie Betrieb dieser Infrastruktur (lt. IBM die erste Hana on Power Implementierung bei einem Power-i-SAP-Kunden) durchführen. Nichtsdestotrotz stehen weiterhin die Optionen, Teile oder die gesamte Infrastruktur ins UBL-RZ zu übertragen.

Welche Vorteile hat der Kunde, der „Managed Services“ für den ERP-Betrieb in Anspruch nimmt?
Wulf: Wer den ERP-Betrieb von uns managen lässt, kann sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren, d.h. auf die Pro­zesse, die der eigenen Wertschöpfung dienen. Der Kunde muss sich nicht um Basisaufgaben kümmern, wie z.B. User anzulegen oder Drucker anzu­steuern, sondern kann sich um die Kernprozesse oder neue Geschäftsmodelle kümmern.

Der Infrastrukturbetrieb in unserer Verantwortung erspart dem Kunden mittel- und langfristige Kapitalbindung und ermöglicht ein planbares laufendes Budget. Mit den freigesetzten Mitteln kann der Kunde in seine Wachstumsfelder investieren.Dabei bietet unsere flexible Vertragsgestaltung Möglichkeiten, das dynamische Wachstum des Kunden ohne Pre-Invest zu begleiten. Wir sprechen hier von einem „atmenden“ System, in dem der Kunde Spitzen abfangen kann, ohne dafür sprungfixe Kosten in Kauf zu nehmen. Für Kunden, die sich eine Testumgebung auf Zeit wünschen, erlaubt der Betrieb bei uns eine schnelle Implementierung zu überschaubaren Kosten.

Bei SAP dreht sich heute alles um Hana. Welche Rolle wird diese neue Plattform langfristig spielen? Insbesondere auch bei Anwendern, die heute SAP ERP auf IBM i einsetzen?
Schneider: Hana wird natürlich in Zukunft eine Rolle spielen. Wie bedeutend diese Rolle ist und wie schnell diese Zukunft naht, steht auf einem anderen Blatt. Für Neukunden wird Hana sicherlich ein spannendes Thema sein – wobei wir in unseren Kundengesprächen merken, dass hier noch viel Erklärungsbedarf besteht, SAP ERP on Hana, S/4 Hana, Smart Financials oder doch nur die BW auf Hana?

Bei unserem SAP-on-i-Klientel sehen wir eher verhaltenes Interesse. BW on Hana wird die erste Alternative sein, die getestet wird. Wir sind ge­spannt, wie die „Proof of Concepts“ laufen. Immerhin ist DB2 on i für BW-Implementie­rungen hervorragend geeignet.

SAP ERP auf Hana zu migrieren wird eine langfristige Angelegenheit. Hier wird es auch darauf ankommen, welche neuen Funktionalitäten alleine in Hana bereitgestellt werden, ob eine hybride Implementierung sinnhaft betrieben werden kann und wie es mit der Unterstützung der SAP aussieht. Die Wartungsverlängerung bis 2025 hat hier erst einmal für etwas Entspannung gesorgt.

Wir werden die Trends und Strategien im Auge behalten, um unseren Kunden und Interessenten immer ein attraktiver Sparringspartner sein zu können. Wir möchten und können hier unabhängig beraten und auch hinterfragen. Das schätzen viele unserer Kunden.

Kann es SAP gelingen, all ihre Kunden zum Abschied von den klassischen Datenbanken wie Oracle, DB2 oder MS SQL zu bewegen, in denen sie heute die SAP-Daten sicher und zuverlässig verwalten?
Wulf: Das ist eine interessante Frage, die auch unsere Kunden bewegt – und gleichzeitig eine hochpolitische Bewegung, die wir beobachten. Gerade die Datenbankhersteller unterstützen diese SAP-Intention natürlich nicht. Die „Any DB“-Bewegung legt viel Wert darauf, dass SAP in seiner Anwendungsentwicklung alle Datenbanken unterstützt. Hier ist sehr viel Bewegung – und wir begleiten die Kunden bei der Auswahl, in dem wir die Vor- und Nachteile abwägen.

Wir sehen uns dabei nicht als „Zünglein an der Waage“ und werden uns nicht anmaßen, eine Prognose abzugeben. Wir können aber ein unabhängiger Sparring-Partner für den Kunden sein, der manchmal auch einfach nur zusätzliche Fragen stellt, an die der Kunde vielleicht vorher nicht gedacht hat.

Der EuGH hat Anfang Oktober die „Safe Harbor Principles“ gekippt. Wie ist UBL davon betroffen?
Wulf: Diese Entscheidung war unserer Ansicht nach überfällig. UBL hat schon immer unabhängig vom Safe-Habor-Prinzip Wert auf die Lagerung der Kundendaten in Deutschland und damit auf die Einhaltung deutscher Datenschutzbestimmungen gelegt. Insofern sind wir mit der Entscheidung des Europäischen Ge­richtshofs sehr zufrieden.

Was raten Sie nach diesem Urteil denjenigen IT-Chefs, die heute Cloud-Services von US-Providern wie Amazon, Google oder Microsoft nutzen?
Schneider: Wenn wir über ERP-Managed-Services reden, ist der Sachverhalt klar: IT-Chefs, die ihre Daten sicher gehandhabt sehen wollen, sollten diese in Deutschland vorhalten. Auch sollten sie sich mit den Rechtsgrundlagen der Firma beschäftigen, die den Managed Service anbietet. Denn amerikanische Unternehmen, selbst mit Standorten in Europa, unterliegen dem amerikanischen Patriot Act und damit dem Zugriff amerikanischer Behörden. Die UBL-Rechenzentren werden auch zukünftig in Deutschland liegen.

Wie sehen Sie generell die weitere Entwicklung im Markt für Managed Services und was plant UBL?
Wulf: Wir entwickeln uns ganz klar zu einer Servicegesellschaft. Das ist nicht nur im priva­ten Bereich zu beobachten, wo wir Einkäufe online tätigen, Autoreifen in Fachbetrieben lagern und vom Pizzaservice bis zur Reservie­rung von Kino- und Konzertkarten die unterschiedlichsten Dienste nutzen. Auch im Business-Umfeld bewegt sich enorm viel.

Wir beobachten, dass Kunden, die bereits positive Erfahrungen mit Services im Infrastruktur-Umfeld gemacht haben, zunehmend auch nach Plattform- und Software-Services fragen, z. B. Email, Web-Portal oder Datenbankbetreuung. Für IT-Dienstleister geht der Trend in Richtung Serviceunternehmen, in dem Servicemanager für den Kunden das Zusammenspiel und die Komplexität aller Komponenten managen und alle Services miteinander integrieren. UBL hat sich bereits in diese Richtung transformiert und bildet mit Kunden Teams, in denen diese Herausforderungen gemeinsam und auf Augenhöhe gemeistert werden.

Bernd Wesseler, DV-Dialog, 08.12.2015

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