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Es geht um das Wann

Wer sich heute mit Sourcing-Strategien beschäftigt und bisher noch keine „as-a-Services“ externer Dienstleister einsetzt, steigt immer häufiger direkt mit „Plattform as a Service“ ein, ohne den Weg über „Infrastructure as a Service“ genommen zu haben. Im Gespräch mit dem Midrange Magazin (MM) erklären die UBL Geschäftsführer Uwe Schneider und Nils Wulf, warum sie Unternehmen mit IBM Power Systemen zu einer gemeinsamen Sourcing-Strategie für ihre Power und Non-Power-Umgebung raten.

MM: Herr Schneider, UBL ist ja einer der ersten Anbieter von Managed Services im IBM Power Umfeld gewesen. Welche Veränderungen nehmen Sie heute bei den Anforderungen Ihrer Kunden wahr?

Uwe Schneider: Als wir vor zehn Jahren im Managed Services Umfeld starteten, geschah dies auf Wunsch unserer Kunden, die uns beauftragten, ihre IBM Power Infrastruktur in einem externen Rechenzentrum zu hosten und Betriebsaufgaben für sie zu übernahmen. Der Mittelstand war damals überwiegend skeptisch, was das Auslagern von Systemen betraf, befürchtete Sicherheitslücken und hatte Angst vor Kontrollverlust. Unser Managed Service Portfolio konzentrierte sich zu diesem Zeitpunkt auf Hosting Services für IBM Power.
Heute stellt sich für die meisten Unternehmen gar nicht mehr die Frage, ob sie Managed Services nutzen wollen, sondern wann der richtige Zeitpunkt ist, umzusteigen. Dabei beziehen sie in ihre Planungen nicht nur den Infrastrukturbereich ein, sondern vermehrt auch Teile ihrer Anwendungen.
Nils Wulf: Die veränderte Haltung im Markt zeigt auch der Cloud Monitor der Bitkom von 2015, in dem schon 44% der befragten Unternehmen angeben, bereits Cloud Computing zu nutzen, weitere 24% sind in der Planungsphase. Wir merken, dass das Thema ganz klar im Markt angekommen ist. Die Unternehmen sind heute wesentlich besser informiert und wenden sich an Anbieter, bei denen sie alle organisatorischen Rahmenbedingungen wie standardisierte Betriebsprozesse, Zertifizierungen und Datenschutz vorfinden. Im Vergleich zu früher sind die Anfragen nach Managed Services vor allem vielschichtiger geworden. Kunden fragen zunehmend nach plattformübergreifenden Services. Infrastructure as a Service gilt als „Commodity“, sie betrachten Platform as a Service als den nächsten logischen Schritt, um sich intensiver um ihre Kernprozesse kümmern zu können.

MM: Was bedeutet das für Services der UBL im Verhältnis der IBM Power Plattform zu anderen Systemen?

Uwe Schneider: Wenn wir unsere Managed Services der letzten 10 Jahre für Kunden mit der IBM Power Plattform als Core System betrachten, dann sehen wir, dass 85% der Services im Schnittstellenbereich zu anderen Plattformen wie Intel mit Windows bzw. Linux liegen. Das ergibt sich durch die Verzahnung zwischen den Kernanwendungen auf der AS/400 und den darum angeordneten Diensten wie z.B. Collaboration und Client Virtualisierung.

MM: Welche Aufgabenstellungen resultieren daraus für den Kunden?

Nils Wulf: Aus Kundensicht liegt die große Herausforderung darin, sich mit einer Vielzahl an Managed Services Anbietern für die unterschiedlichsten Anwendungen wie Collaboration, ERP oder Dokumentenmanagement auseinanderzusetzen, um einheitliche Service Standards für ihr Unternehmen sicherzustellen. Eine weitere Herausforderung ist es, für eine Konsolidierung der Datenströme zu sorgen. Diese Orchestrierung geben immer mehr Kunden im Rahmen ihrer Sourcing Strategie außer Haus. Sie möchten möglichst wenige Dienstleister, die möglichst viele Aufgaben für sie zusammenführen.

Uwe Schneider: Auch die Vernetzung der Dienste unter Security- und Datenschutzaspekten ist anspruchsvoll. Dazu kommt die Betrachtung unter kaufmännischen und juristischen Gesichtspunkten: Verfügt der Kunde über das nötige organisatorische Umfeld? Ist er in der Lage, Migrationsvoraussetzungen zu schaffen, Service Level zu definieren, einen Service Desk zu organisieren? Ist es für ihn wirtschaftlich sinnvoll, Know-how in den unterschiedlichsten Bereichen wie IBM Power, VMware, HyperV, SAP Basisbetrieb und für viele weitere Dienste vorzuhalten?

MM: Das hört sich für den Endkunden erst einmal nach zu vielen Herausforderungen an.

Nils Wulf: …die aber zu lösen sind, denn in der Realität gehen viele Unternehmen bereits erfolgreich diesen Weg. Wir haben dieses Jahr die Teilnehmer der POW3R Konferenz in Hannover nach ihrer Strategie in Bezug auf Managed Services und/oder Cloud Lösungen für ihre Kernanwendungen befragt. Mehr als ein Drittel gab an, schon Managed Services zu nutzen, weitere 25% diskutieren das Thema gerade. Dabei sehen sie das größte Potential für Anwendungen der Bereiche Kollaboration, Email, ERP, Archivlösungen und Backup. Ihre Ziele sind die Entlastung der IT, eine höhere Sicherheit, Verfügbarkeit und Flexibilität sowie definierte Service Level. Diese Angaben decken sich komplett mit den Erfahrungen, die wir täglich im Mittelstand machen. Die Herausforderungen sind allen klar, daher wenden sich unsere Kunden an uns als Managed Service Provider, der diese vielfältigen Aufgaben für sie orchestrieren kann.

Uwe Schneider: Wir haben auf der POW3R Konferenz auch gefragt, wie die Teilnehmer die IT-Abteilung der Zukunft sehen. Für die deutliche Mehrheit geht die Tendenz in Richtung Managed Services, um sich zukünftig nur um Applikationen und Geschäftsprozesse kümmern zu können, sowie die Nutzung von Cloud-Infrastruktur und Steuerung externer Dienstleister. Nur noch 15% sehen den Fortbestand konventioneller Strukturen.

MM: Wie entwickeln sich Ihre Power Kunden, die den Schritt in Richtung Managed Services bereits gemacht haben?

Uwe Schneider: Viele Kunden, die mit Managed Services sehr gute Erfahrungen gemacht haben, sind nun bereit, auch die um die Power gelagerten Systeme in einen Service zu überführen. Sie sind die Denkweise in Managed Services gewohnt, sehen und erfahren den Nutzen. Nun wollen sie die Komplexität reduzieren, die sich aus der Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Serviceanbietern ergibt, um ihre eigenen Kapazitäten näher an die Geschäftsprozesse zu bringen.

MM: Und was sind die Motivationen für weitere Managed Services?

Uwe Schneider: Viele Kunden erkennen, dass eine Inhouse-Infrastruktur nicht zuletzt auch aus formalen Gründen und Anforderungen wie Zertifizierungen, Audits, Verbands- und Herstellervorgaben an ihre Grenzen stößt. Eine höhere Flexibilität, Skalierbarkeit und eine Entlastung der IT sind die häufigen Motivationsfaktoren für Managed Services. Das deckt sich übrigens mit den Ergebnissen unserer Umfrage auf der POW3R Konferenz. Für unsere Kunden bedeutet das zusammengefasst: Freiraum, sich um höherwertige Aufgaben und Kernprozesse zu kümmern.

MM: Sie erwähnten vorhin, dass ihre Kunden möglichst wenige Dienstleister für ihre Managed Service haben wollen. Wie stellt sich das konkret bei Ihren Kunden dar?

Nils Wulf: Unsere Kunden ergänzen ihre Managed Service Verträge um die unterschiedlichsten Zusatzleistungen aus unserem Plattform Portfolio wie Security und Netzwerk Service, CAD aus dem Data Center, Client Virtualisierung, Office 365, Sharepoint, SQL, SAP Basisbetrieb, DMS bis hin zu Business Process as a Service für Lohnabrechnung. Ein weiteres Thema ist die Flexibilisierung der Dienste durch die Verbindung von UBL Private Cloud Services mit Public Cloud Services wie z.B. Microsoft Azure.

MM: Welche speziellen Plattform Services entwickeln sich denn auf der Power Plattform?

Uwe Schneider: Nach wie vor ist die Power eine der fortschrittlichsten Rechnerarchitekturen. Davon profitieren nicht nur unsere AS/400 Kunden – sie ist auch die Plattform für Linux basierte Umgebungen wie Maria DB, SAP HANA oder ganz aktuell für Virtualisierung mit Docker.

MM: Welche Faktoren sind bei der Auswahl eines Service Providers wichtig?

Nils Wulf: Unserer Erfahrung nach ist der persönliche Kontakt auf Augenhöhe die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, das Bauchgefühl muss stimmen. Auch die klare Definition der Übergänge von Zuständigkeiten und Verantwortung in Abstimmung mit dem Kunden ist ein ganz wesentlicher Punkt. Unsere Stärke liegt in der flexiblen und individuellen Gestaltung der Vertragsbeziehungen, der gemeinsamen Erarbeitung der passenden SLAs sowie der Berücksichtigung der kundenspezifischen Datenschutzanforderungen.

MM: Sie haben sich in den letzten 10 Jahren vom Pionier im Umfeld von Managed Services für IBM Power zum vielseitigen Plattform-Anbieter entwickelt. Wie gestalten sich für Sie die nächsten 10 Jahre?

Nils Wulf: Wir sehen eine Herausforderung in der Orchestrierung der Managed Services für unsere Kunden, um ihnen die Auseinandersetzung mit der Vielzahl an Technologien wie z.B. Hyper Converged und Lösungen wie z.B. Managed Security Services abzunehmen. Kunden werden immer mehr Applikationen komplett als Managed Service bzw. Software as a Service einkaufen. Das bedeutet für UBL die konsequente Weiterentwicklung als Plattformanbieter für Kunden und Softwarehäuser.

Midrange Magazin, Ausgabe 11/2016

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